DUZ, 16 April 2010

Britische Hochschulen bieten das Beste für Jungwissenschaftler

Damit Universitäten ihre Postdocs nicht ans Ausland verlieren, braucht es gezielte Förderprogramme. Wie das funktioniert, zeigt das University College London

Wer Post-Doktoranden an deut- schen Universitäten halten will, muss sich etwas einfallen lassen. Denn ohne Förderung verschwinden viele Talente – oft auf Nimmerwiedersehen – in die USA. Oder auch nach Großbritannien. Dort, so scheint es, macht man an den Hochschulen vieles richtig. Zum Beispiel am University College London (UCL), das in Sachen Doktoranden- Förderprogramme den beiden großen Kon- kurrenten Oxford und Cambridge den Rang abläuft. In deren Schatten hat die 1826 als modernes, säkulares Gegenmodell gegründete Hochschule lange gestanden.

Laut einer Umfrage der amerikanischen Fachzeitschrift „The Scientist“ ist das UCL unter Postdocs die weltweit beliebteste Universität. Zwar liegt in der Gesamtwertung das private Novartis-Forschungszentrum im südenglischen Horsham an erster Stelle, doch unter den Volluniversitäten ist das UCL Spitze – Cambridge kam dagegen nur auf Platz sieben, Oxford schaffte es nicht einmal in die Top Ten.

Was macht die UCL richtig? Der wichtigste Grund für den internationalen Erfolg des UCL ist laut Stephen Tarling, dem dortigen Berater für die Weiterbildung des Forschungspersonals, die britische Heimat seiner Uni. „Und das hat nichts mit falschem Nationalstolz zu tun“, betont Tarling. „Die britische Regierung hat seit 2002 über 160 Millionen Euro ausschließlich in die Aus- und Weiterbildung von Postdocs und Doktoranden investiert.“ Das Ergebnis ist ein landesweites Förderprogramm – die sogenannte Roberts Agenda.

„Als große Universität mit fast 2000 Postdoc-Stellen hat das UCL vergleichsweise viel Geld zur Verfügung, da die Fördermittel der Roberts Agenda als Pro-Kopf-Pauschale ausgezahlt werden“, erklärt Tarling. Jährlich sind das etwa 1,2 Millionen Euro; ungefähr 500.000 Euro davon gehen direkt in das Training von Postdocs. Mit diesen Mitteln wurde erst einmal die Weiterbildungsstruktur des UCL professionalisiert: Neben Tarling, selbst promovierter Mineraloge mit umfassender Forschungserfahrung, sind vier weitere Angestellte ausschließlich für die Betreuung der angestellten Forscher zuständig. Darunter ein Web-Administrator, der das Herzstück der Postdoc-Weiterbildung pflegt: die Onlineplattform.

Die Nachwuchsforscher können aus einer Fülle von Kursen auswählen, von Übungen zum Eintreiben von Fördermitteln bis zum Bewerbungstraining, vom Umgang mit Politikern und Pressevertretern bis zum effektiven Zeitmanagement, vom Schreibkurs bis zur Schritt-für-Schritt-Lektion über das Veröffentlichen eines Sachbuchs.

Für ausländische Forscher gibt es spezielle Angebote, von Sprachkursen bis zur Einführung ins britische Steuersystem. Alle Kurse können bequem online gebucht werden, drei solcher Seminare sollte jeder Postdoc pro Jahr belegen. Die Fortschritte werden zentral in einem Onlineprofil gespeichert – und überwacht. Alle Angebote sind zwar freiwillig, wie Tarling betont. Falls ein Nachwuchsforscher jedoch weniger als die gewünschte Kurszahl belegt, wird er per Mail darauf hingewiesen. Außerdem – und das wiegt sicher schwerer – wird der jährliche Fortschritt an die Research Councils, das britische Äquivalent der Deutschen Forschungsgemeinschaft, weitergeleitet.

Diese zentrale „Qualitätskontrolle“ ist sicher das befremdlichste für deutsche Wissenschaftler. Doch den anderen Nachwuchsforschern scheint sie zuzusagen: Im Bereich „Allgemeine Zufriedenheit“ hat das UCL in der Umfrage weltweit am besten abgeschnitten. Andere britische Unis eifern nun nach: Nach dem Novartis-Zentrum und dem UCL wird mit der Universität von Dundee auch der dritte Platz weltweit von einer britischen Forschungsinstitution belegt.

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